NEWS - BrewDog schließt seine Brennerei
[20.02.2026]
Der schottische Brauer und Barbetreiber BrewDog wird nach zehnjähriger Tätigkeit seine Destillerie in Ellon schließen und in den kommenden Monaten die Produktion seiner Spirituosenmarken, darunter Lonewolf Gin, Abstrakt Vodka, Duo Rum, und Casa Rayos Tequila, einstellen. Die Lagerbestände werden abverkauft. Nur die RTD-Marke Wonderland in Dosen wird von einem Drittanbieter weiter produziert. Wie viele Arbeitsplätze wegfallen werden, wurde nicht gesagt. Insider schätzen, dass die Brennerei eine Kapazität von unter 500.000 Litern pro Jahr hat. Ungewöhnlich für eine Brennerei (es gibt ein Video auf YouTube) verfügte über ein Läuterbottich und eine Maischefilter-, Würze-Sterilisator vor der Gärung, drei Whisky-Pot-Stills und Kolonnen-Stills. Allein die Ausrüstung dürfte für eine Craft-Brennerei sehr teuer gewesen sein. Ursprünglich sollte sie die eigenen Pubs (damals etwa 100) mit Gin und Wodka beliefern. Beide können innerhalb weniger Tage hergestellt werden, was dem Cashflow zugutekommt. Aber 2017 begann man auch mit der Herstellung von Whisky. BrewDog hat nie bekannt gegeben, wie viele Whiskyfässer in ihren Zolllager reifen, aber es müssen etliche sein. Denn Anfang 2025 sagte der Geschäftsführer von BrewDog Distilling (der wenige Monate später ausschied), dass die jährliche Whiskyproduktion bei etwa 150.000 Litern Reinalkohol liege – das sind etwa 750 Fässer à 200 Liter. Es gab sogar Pläne, den ersten Single Malt in diesem Jahr auf den Markt zu bringen. Und jetzt das.
Unklar ist, was aus der Brennerei werden soll – ob sie eingemottet oder verkauft wird. Auf jeden Fall könnte sie zu einer weiteren „Lost Distillery“ werden, von denen es in Schottland einige berühmte gibt – jedoch keine, die nie einen Whisky abgefüllt hat.
Offenbar steckt BrewDog in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. 2019 war das letzte Jahr, in dem ein Gewinn erzielt wurde. Bis 2024 sind Verluste vor Steuern in Höhe von insgesamt 148 Mio. GBP (170 Mio. EUR) aufgelaufen, und das Management musste Investoren um eine Finanzspritze in Höhe von 20 Mio. GBP bitten. Im vergangenen Sommer wurden zehn Bars im UK geschlossen, gefolgt von zwei weiteren verlustbringenden Bars in den USA im Januar.
Zum jetzigen Zeitpunkt wird sich das Management darauf konzentrieren, die Verluste zu minimieren. Die Schließung der Brennerei wird keinen großen Unterschied machen, könnte aber das rückläufige Biergeschäft (geschätzt 900.000 hl im Jahr 2023) stabilisieren. In den vergangenen zwei Jahren ist BrewDog aus 2000 Pubs im UK rausgeflogen und hat dadurch ein Drittel seines Vertriebs verloren.
Es kursieren Gerüchte, wonach der BrewDog-Co-Gründer James Watt plant, die Kontrolle über das Unternehmen zurückzugewinnen. Watt trat 2024 nach Vorwürfen wegen unangemessenen Verhaltens und Machtmissbrauchs als CEO zurück. Watt hat alle Vorwürfe stets zurückgewiesen.
Quelle: BRAUWELT, Ausgabe 4/26